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Konflikte lösen – gemeinsam Lösungen finden

Konflikte gehören zum Leben. Werden sie jedoch nicht gelöst, können sie Beziehungen, Familien und Unternehmen nachhaltig belasten..

Konflikte sind alltäglich. Wichtig ist die Fähigkeit, damit konstruktiv umzugehen | Dr. Jürgen Kattner – Krems
Die Menschen bauen zu viele Mauern und zu wenig Brücken. (Isaac Newton)

Wir haben eine Meinungsverschiedenheit – ist das ein Konflikt?

Meinungsverschiedenheiten allein sind noch keine Konflikte. Wesentlich für einen Konflikt ist, dass sich mindestens ein Betroffener in seiner Freiheit zu handeln, zu denken oder zu entscheiden eingeschränkt fühlt. Das ist die Saat für weitere Eskalation.

Welcher Konfliktlösungtyp sind Sie?

Konflikte sind alltäglich. Daher hat jeder Mensch bevorzugte Strategien, um mit ihnen umzugehen:

  • Es einfach gut sein lassen, wenn das Thema nicht wichtig genug ist.
  • Kompromisse schließen.
  • Streit aus dem Weg gehen durch Herstellung von Distanz.
  • Verleugnen der Konflikte, sofern das möglich ist.
  • Die Entscheidung einem Dritten (Eltern, Schiedsrichter, Richter) überlassen.

Warum sind manche Konflikte so schwer zu lösen?

Doch manchmal, so scheint es, gibt es keine Lösung. Zu weit sind die Positionen auseinander, zu nah sind sich die Konfliktparteien, um sich wenigstens aus dem Weg gehen zu können.

Räumliche Nähe

Nachbarn, die um Grundstücksgrenzen, Bäume, Hecken, Lärm, Müll oder den Parkplatz streiten. Nachbarn, die einander letztlich ausgeliefert sind, denn man kann sein Grundstück nicht einfach einpacken und mitnehmen.

Wirtschaftliche Nähe

  • Geschäftspartner mit gegenseitigen Abhängigkeiten
  • Streitigkeiten zwischen Auftraggebern und -nehmern
  • Gütertrennung bei Scheidungen
  • Erbschaften, die ganze Familien zerrütten
  • schwierig verlaufende Betriebsübergaben

Zwischenmenschliche Nähe

  • Familien mit ihren unzähligen Streitthemen
  • Sorgerechtsthemen
  • Generationskonflikte
  • Streit am Arbeitsplatz unter Kollegen

Welches Verhalten verschärft Konflikte?

Zur gütlichen Regelung von Auseinandersetzungen braucht es konstruktive Gespräche, in denen jede Seite darlegen kann, worum es ihr in Wirklichkeit geht.

Menschen in scheinbar unlösbaren Konflikten machen intuitiv jene Dinge, die für eine Lösungsfindung ungünstig sind. Konstruktive Gespräche werden durch folgende weit verbreitete Irrtümer über Kommunikation und Konfliktregelung stark erschwert:

Einer hat Recht: Ich darf kein Verständnis für die andere Seite zeigen – damit stimme ich den Forderungen des anderen ja zu. Die Praxis zeigt: Jeder hat immer in seiner Sichtweise recht.

Druck hilft: Ich muss Druck aufbauen, damit die andere Seite nachgibt. Die Praxis zeigt: Druck verschärft Konflikte und verhindert oft Lösungen.

Denken in Gegensätzen: Gut oder Böse. Schwarz oder Weiß. Richtig oder Falsch. Du oder Ich. A oder B. Gewinner oder Verlierer. Die Praxis zeigt: Gute Lösungen sind (meistens) irgendwo in der Mitte. Oder vielleicht ganz wo anders.

Argumente zählen: Ich muss einfach mehr und bessere Argumente als der andere haben. Die Praxis zeigt: Argumente helfen wenig, wenn gleichzeitig kein gegenseitiges Verständnis da ist. Die Antwort ist dann oftmals: „Ja natürlich trifft das zu, aber …“

Öffentlichkeit hilft: Ich brauche weitere Personen in meinem Umfeld, die die Richtigkeit meiner Position unterstützen. Die Praxis zeigt: Je weniger Öffentlichkeit, umso besser sind die Chancen auf eine Lösung.

Wie stark können Konflikte eskalieren?

Wo es keine Lösung gibt und auch keine ausreichende Distanz hergestellt werden kann, neigen Konflikte zum Eskalieren. Ein Wort gibt das andere, jede Aktion erzeugt eine Gegenreaktion und ein Ausstieg wird immer schwerer, weil die Fronten immer mehr verhärteten.

Durch Aufbau von Druck wird versucht, die andere Konfliktpartei doch noch zum Nachgeben zu zwingen. Doch das führt in der Regel nur zu einer weiteren Verschärfung, weil das Gegenüber sich gezwungen sieht, seinerseits zu reagieren. Oftmals durchläuft die Eskalation von Konflikten eine Abfolge von Eskalationsstufen.

Es geht noch um die Sache

  • Stufe 1: Meinungsverschiedenheit mit Konfliktcharakter.
  • Stufe 2: Intensive Versuche mit Argumenten zu überzeugen.
  • Stufe 3: Druck erzeugen durch Gesprächsabbruch und Handlungen statt Worten (Schaffen von Tatsachen).

Es geht nur mehr um’s Gewinnen

  • Stufe 4: Verbündete für die eigene Sache suchen und Gegner denunzieren. Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.
  • Stufe 5: Öffentlichen Gesichtsverlust beim Gegner herbeiführen.
  • Stufe 6: Druck erzeugen durch Drohungen.

Es geht nur mehr um’s Schaden

  • Stufe 7: Vorsätzliche Schädigung des Gegners, begrenzter eigener Schaden wird toleriert.
  • Stufe 8: Vorsätzliche Schädigung des unterstützenden Umfelds des Gegners.
  • Stufe 9: Vernichtung des Gegners ohne Rücksicht auf eigene Verluste.

Wie können Konflikte mit externer Unterstützung geregelt werden?

Entscheidung durch Dritte

Wenn alle eigenen Bemühungen, einen Konflikt zu lösen, scheitern, ist die Versuchung groß, jemand anderen entscheiden zu lassen. Ein Machtwort soll gesprochen werden. Üblicherweise erfolgt das durch einen frei gewählten oder bestellten Schiedsrichter, durch Vorgesetzte oder vor Gericht.

Solche Schiedssprüche haben jedoch meist den bitteren Beigeschmack von Sieg und Niederlage. In der Praxis zeigt sich, dass Konfliktlösungen, die einen Sieger und einen Verlierer zurücklassen, oft nicht nachhaltig sind. Die Lunte glimmt weiter, der Konflikt flackert an anderer Stelle wieder auf.

Kooperative Konfliktregelung

Besser ist es Lösungen anzustreben, die auf einer wechselseitigen Übereinkunft beruhen, in der die Bedürfnisse aller Beteiligten so weit wie möglich berücksichtigt sind. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Konfliktparteien miteinander reden und vor allem einander zuhören können. Und genau das ist oft so schwierig, besonders, wenn der Konflikt eine lange Geschichte hat oder die Positionen stark verfestigt sind.

Wo die Konfliktparteien alleine nicht weiterkommen, benötigen sie Unterstützung durch einen Dritten, der neutral und allparteilich durch die Verhandlungen führt. Diese Aufgabe übernimmt der Mediator und der Verhandlungsprozess heißt dann Mediation.

Welche Einstellung hilft bei der Lösung von Konflikten?

Mediation bedeutet ehrliches Verhandeln – klar in der Sache und zugleich empathisch mit den Menschen. Ich möchte Ihnen hier ein paar persönliche Erfahrungen aus meiner langjährigen Praxis mit Menschen am Weg zur Konfliktlösung mitgeben.

Jeder hat ein bisschen Recht

Wenn einer recht hat, hat der andere automatisch unrecht. Und niemand den ich kenne, hat gerne unrecht. Gerade in verfahrenen Konfliktsituationen geht es den Beteiligten oft darum herauszufinden, wer recht hat. Dies passiert in der Hoffnung, dass die belastende, undurchsichtige Angelegenheit damit geklärt werden kann.

Leider spielt das Leben hier nicht mit. Jeder hat immer irgendwie ein bisschen recht. Und die aller wenigsten Menschen haben in Konflikten eine absolut weiße Weste. Ein Konflikt beginnt ja in der Regel nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt, sondern entwickelt sich oft über einen langen Zeitraum – in Nachbarschaftskonflikten oder Familienkonflikten über Jahre, Jahrzehnte oder Generationen. Konflikte sind Abfolgen von Aktion und Reaktion, die ihrerseits wieder Reaktionen auslösen.

Hier den Ur-Schuldigen suchen zu wollen, ist eine fruchtlose Anstrengung. Es gelingt nicht und es ist somit sinnlos es zu versuchen. Mediation wird nicht herausfinden, wer recht hat.

Meine Frage an die Konfliktparteien lautet: Wollen Sie recht haben, oder wollen Sie eine Lösung?

Am Ende zählen Taten und nicht Worte

Getreide wächst am Feld nicht, weil darüber gesprochen wird, welche Tätigkeiten notwendig sind. Und Brot bäckt sich nicht, in dem man das Rezept vorliest. Vertrauen wächst dadurch, dass Menschen in der Wirklichkeit handeln und Vertrauen stiftendes tun.

Die Reihenfolge: Zuerst muss alles im Detail besprochen werden, dann erst wird der erste konkrete Schritt gesetzt, ist vielfach zum Scheitern verurteilt – weil schlicht das gegenseitige Vertrauen fehlt. Reden ist herrlich unverbindlich – Menschen können ein Leben lang davon reden, was die andere Seite nur tun müsste, um den Konflikt zu beenden und wie kompromissbereit sie selbst ja eigentlich sind. Die andere Seite müsste sich ja nur ein wenig bewegen.

Mediation bedeutet Vertrauen aufbauen durch Handlungen. Zug-um-Zug in kleinen Schritten. Je eskalierter der Konflikt ist, umso kleiner werden die Schritte sein.

Meine Frage an die Konfliktparteien lautet: Sind Sie bereit, konkrete Schritte zu setzen, um Vertrauen aufzubauen?

Perfekte Lösungen gibt es nicht auf dieser Welt

Menschen tun sich allgemein schwer mit Ambivalenz. Deshalb sollten Lösungen idealerweise allumfassend sein, alle Zweifel aus dem Weg räumen und die Vergangenheit ungeschehen machen. Die andere Seite erkennt aus freien Stücken, dass sie unmoralisch oder unrechtmäßig gehandelt hat und macht damit den Weg frei für eine strahlende Zukunft.

In der Theorie: Ja. in der Praxis: Nein. Sie können nicht jahrelangen Zwist in ungetrübtes Wohlgefallen auflösen. Das geht einfach nicht. Mediation bietet einen sicheren Rahmen, um konkrete Themen zu besprechen, Missverständnisse aus dem Weg zu räumen und Lösungen zu finden. Unterschiede in Werten, Überzeugungen, Lebensweisen etc. werden bestehen bleiben.

Meine Fragen an die Konfliktparteien lauten: Ist eine unperfekte Lösung, mit der Sie aber im Wesentlichen leben können, gut genug für Sie?

Anhang der obigen Gedanken können Sie ein wenig einschätzen, was wichtig sein wird und wo Sie aktuell stehen. Und sie bekommen auch ein Gefühl dafür, welcher Beitrag von Ihnen notwendig sein wird – und ganz genau gleich auch von der anderen Seite.

Wie kann ich mich mental auf eine erfolgreiche Konfliktlösung vorbereiten?

Ich empfehle Ihnen folgende kleine Geschichte, die ich gerne den Konfliktparteien zur Vorbereitung mitgebe.

Wie kann mir Mediation konkret helfen?

In einer Mediation finden Menschen, die mit beiden Beinen im Leben stehen, Lösungen für schwierige Konflikte.

Gerne erzähle ich Ihnen unverbindlich, vertraulich und kostenlos mehr. Reden wir über Ihr Anliegen.